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Employer Branding: Was eine starke Arbeitgebermarke wirklich ausmacht

15. Juli
6 Min. Lesezeit

Kurzantwort

Employer Branding bedeutet nicht, ein Unternehmen als Arbeitgeber möglichst attraktiv darzustellen. Es bedeutet, klar herauszuarbeiten, wofür ein Unternehmen als Arbeitgeber steht, welche Menschen zu ihm passen und was Mitarbeitende tatsächlich erleben können. Eine starke Arbeitgebermarke entsteht deshalb nicht zuerst durch Recruiting-Kampagnen, Benefits oder eine neue Karriereseite. Sie entsteht aus Positionierung, Kultur und einer Employee Experience, die das Versprechen im Alltag einlöst.


Employer Branding ist mehr als Recruiting

Obstkorb. JobRad. Homeoffice. Team-Events.


Wenn Unternehmen über Employer Branding sprechen, landen sie schnell bei Benefits oder Kommunikationsmaßnahmen. Das ist nachvollziehbar. Schließlich sind das die Dinge, die sich sichtbar machen lassen.


Aber eine Arbeitgebermarke entsteht nicht dadurch, dass ein Unternehmen möglichst viele Vorteile aufzählt.


Sie entsteht durch ein klares Bild davon, warum Menschen gerade hier arbeiten sollten – und warum sie bleiben wollen.


Genau deshalb beginnt Employer Branding nicht bei der Stellenanzeige. Und auch nicht bei LinkedIn, Instagram oder der Karriereseite.


Es beginnt beim Unternehmen selbst.


Was ist Employer Branding?

Employer Branding ist die strategische Entwicklung und Führung einer Arbeitgebermarke.


Dabei geht es darum, ein Unternehmen als Arbeitgeber klar zu positionieren und diese Positionierung entlang relevanter Kontaktpunkte erlebbar zu machen – vom ersten Kontakt mit potenziellen Bewerber über Recruiting und Onboarding bis hin zum Arbeitsalltag und zur langfristigen Bindung.


Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

Wie können wir attraktiver wirken?


Sondern:

Was macht uns als Arbeitgeber tatsächlich relevant, unterscheidbar und glaubwürdig?

Das klingt ähnlich. Führt aber zu einer völlig anderen Herangehensweise.


Eine Arbeitgebermarke kann man nicht einfach erfinden

Natürlich möchte jedes Unternehmen attraktiv wirken.


Wertschätzend. Modern. Flexibel. Menschlich. Zukunftsorientiert.


Das Problem: Wenn nahezu alle Unternehmen dieselben Eigenschaften für sich beanspruchen, helfen sie Bewerber kaum bei der Entscheidung.


Hinzu kommt: Ein Arbeitgeberversprechen funktioniert nur, wenn Menschen es im Unternehmen tatsächlich erleben.


Wer mit Eigenverantwortung wirbt, aber jede Entscheidung über drei Hierarchieebenen laufen lässt, schafft einen Widerspruch.


Wer Flexibilität verspricht, aber Anwesenheit stärker bewertet als Ergebnisse, ebenfalls.


Und wer eine familiäre Kultur kommuniziert, während neue Mitarbeitende nach Vertragsunterschrift wochenlang kaum Orientierung erhalten, hat kein Kommunikationsproblem.


Er hat ein Erlebnisproblem.


Employer Branding macht Kultur sichtbar. Es kann sie aber nicht ersetzen.


Die fünf Fragen einer starken Arbeitgebermarke

Eine tragfähige Arbeitgebermarke braucht mehr als schöne Botschaften. Sie braucht Klarheit.


1. Wen wollen wir eigentlich gewinnen?

„Fachkräfte“ ist keine Zielgruppe.


Auch im Employer Branding müssen Unternehmen verstehen, welche Menschen sie erreichen wollen.

Welche Kompetenzen werden benötigt? In welcher beruflichen Situation befinden sich diese Menschen? Was ist ihnen bei einem Arbeitgeber wichtig? Welche Erwartungen bringen sie mit? Was hält sie von einem Wechsel ab?


Eine Softwareentwicklerin bewertet einen Arbeitgeber möglicherweise nach anderen Kriterien als ein Produktionsmitarbeiter. Eine erfahrene Führungskraft stellt andere Fragen als jemand am Anfang der Karriere.


Je klarer die relevanten Zielgruppen sind, desto konkreter kann eine Arbeitgebermarke werden.


2. Was erleben Menschen bei uns wirklich?

Hier wird Employer Branding interessant.


Nicht: Was würden wir gerne über uns sagen?


Sondern: Was erleben Mitarbeitende tatsächlich?


Wie wird geführt? Wie werden Entscheidungen getroffen? Wie viel Verantwortung können Menschen übernehmen? Wie gehen Teams mit Fehlern um? Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es? Wie flexibel ist Arbeit wirklich? Was passiert beim Onboarding? Und warum bleiben Menschen?


Die Antworten darauf liegen selten ausschließlich bei HR oder der Geschäftsführung.


Wer eine Arbeitgebermarke entwickeln möchte, sollte deshalb mit den Menschen sprechen, die sie jeden Tag erleben.


3. Was unterscheidet uns von anderen Arbeitgebern?

Viele Unternehmen suchen an dieser Stelle nach dem einen großen USP.


Den gibt es nicht immer.


Unterscheidung kann auch aus einer spezifischen Kombination entstehen: Art der Zusammenarbeit, Aufgaben, Entwicklungsmöglichkeiten, Führung, Sicherheit, Verantwortung, Flexibilität, Unternehmensgröße, gesellschaftliche Bedeutung oder besondere Kultur.


Entscheidend ist nicht, etwas zu behaupten, das weltweit kein anderer Arbeitgeber bietet.


Entscheidend ist, für die richtigen Menschen einen relevanten Unterschied sichtbar zu machen.


4. Welches Versprechen können wir glaubwürdig geben?

Aus Zielgruppe, Kultur und Unterschieden entsteht die Arbeitgeberpositionierung.


Häufig wird diese in einer Employer Value Proposition – kurz EVP – verdichtet.


Eine gute EVP ist aber kein Werbeslogan.


Sie beschreibt den Kern des Arbeitgeberversprechens: Warum lohnt es sich für bestimmte Menschen, Teil dieses Unternehmens zu sein?


Dieses Versprechen muss attraktiv sein.


Vor allem aber muss es wahr sein.


Denn kaum etwas beschädigt eine Arbeitgebermarke schneller als eine große Lücke zwischen Kommunikation und Realität.


5. Wo muss die Arbeitgebermarke erlebbar werden?

Erst jetzt kommen Kommunikation und Touchpoints ins Spiel.


Eine Arbeitgebermarke sollte sich beispielsweise wiederfinden in:

  • Karriereseite

  • Stellenanzeigen

  • Social Media

  • Recruiting-Kampagnen

  • Bewerbungsgesprächen

  • Candidate Experience

  • Onboarding

  • interner Kommunikation

  • Führung

  • Entwicklung und Weiterbildung

  • Offboarding


Genau hier zeigt sich, warum Employer Branding größer ist als Personalmarketing.


Eine Kampagne kann Aufmerksamkeit erzeugen. Eine Arbeitgebermarke muss das dahinterliegende Versprechen über viele Kontaktpunkte hinweg tragen.


Employer Branding wirkt nach außen – und nach innen

Unternehmen denken beim Employer Branding häufig zuerst an Bewerber.


Dabei beginnt die Arbeitgebermarke bei den Menschen, die bereits da sind.


Denn Mitarbeitende erleben jeden Tag, ob das kommunizierte Versprechen stimmt.


Sie erleben Führung, Zusammenarbeit, Prozesse, Entscheidungen und Kultur. Und sie sprechen darüber – im persönlichen Umfeld, auf LinkedIn, auf Bewertungsplattformen oder im Kontakt mit Bewerber.


Eine starke Arbeitgebermarke kann deshalb nicht ausschließlich von außen nach innen gebaut werden.

Sie muss von innen nach außen funktionieren.


Das macht Employer Branding gleichzeitig zu einem Thema für People, Marke und Kommunikation.


Was Employer Branding mit der Unternehmensmarke zu tun hat

Unternehmensmarke und Arbeitgebermarke werden häufig getrennt entwickelt.


Nach außen erzählt Marketing Geschichte A.

Im Recruiting erzählt HR Geschichte B.

Und intern erleben Mitarbeitende Geschichte C.


Langfristig funktioniert das selten.


Ein Unternehmen hat nicht plötzlich andere Werte, nur weil es mit Bewerber spricht.


Natürlich unterscheiden sich Zielgruppen und relevante Botschaften. Kund interessieren andere Aspekte als potenzielle Mitarbeitende.


Der Kern der Marke sollte aber zusammenpassen.


Wenn ein Unternehmen gegenüber Kund beispielsweise für Mut, Geschwindigkeit und Innovation stehen möchte, intern aber stark hierarchisch und risikoavers arbeitet, entsteht irgendwann ein Glaubwürdigkeitsproblem.


Deshalb gehören Markenstrategie und Employer Branding zusammen gedacht.


Employer Branding endet nicht mit der Einstellung

Ein weiterer häufiger Fehler: Employer Branding wird hauptsächlich als Instrument zur Gewinnung neuer Mitarbeitender verstanden.


Aber was passiert nach Vertragsunterschrift?


Spätestens beim Onboarding trifft das Arbeitgeberversprechen auf Realität.


Wer im Recruiting persönliche Entwicklung verspricht, muss Entwicklung ermöglichen.


Wer Verantwortung kommuniziert, muss Verantwortung übertragen.


Wer Gemeinschaft verspricht, muss Strukturen schaffen, in denen Zugehörigkeit entstehen kann.


Deshalb gehört die gesamte Employee Experience zur Arbeitgebermarke.


Von der ersten Wahrnehmung über Bewerbung und Onboarding bis zum Arbeitsalltag und schließlich zum Offboarding.


Menschen erinnern sich nicht an eine EVP-Präsentation.


Sie erinnern sich daran, wie sich Arbeit angefühlt hat.


Woran erkennt man gutes Employer Branding?

Gutes Employer Branding lässt sich nicht daran erkennen, wie modern eine Karriereseite aussieht.

Eine starke Arbeitgebermarke ist:


relevant – sie spricht Bedürfnisse an, die für die gewünschten Menschen tatsächlich wichtig sind.

differenzierend – sie zeigt ein erkennbares Profil statt austauschbarer Arbeitgeberversprechen.

glaubwürdig – ihre Aussagen lassen sich durch echte Erfahrungen und Beispiele belegen.

konsistent – Kommunikation und tatsächliches Erleben widersprechen sich nicht grundsätzlich.

anschlussfähig – sie gibt Recruiting, Kommunikation, Führung und People-Arbeit eine gemeinsame Richtung.


Und vor allem:

Sie versucht nicht, für jeden Menschen der perfekte Arbeitgeber zu sein.

Eine klare Arbeitgebermarke hilft auch dabei zu erkennen, wer nicht zum Unternehmen passt.


Das ist keine Schwäche.


Das ist Positionierung.


Fazit: Nicht attraktiver wirken. Klarer zeigen, wer ihr seid.

Employer Branding beginnt nicht mit der Frage, wie ein Unternehmen bessere Stellenanzeigen schreibt.

Es beginnt mit Klarheit.


Wer sind wir als Arbeitgeber? Welche Menschen passen zu uns? Was können sie hier erleben? Was unterscheidet uns? Und welches Versprechen können wir glaubwürdig geben?


Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, werden Karriereseite, Social Media, Recruiting-Kampagnen und Stellenanzeigen wirklich stark.


Denn eine Arbeitgebermarke entsteht nicht dadurch, dass ein Unternehmen behauptet, ein guter Arbeitgeber zu sein.


Sie entsteht dadurch, dass Menschen verstehen und erleben können, warum es der richtige Arbeitgeber für sie sein könnte.


FAQ

Was ist Employer Branding einfach erklärt?

Employer Branding bezeichnet den strategischen Aufbau und die Führung einer Arbeitgebermarke. Ziel ist es, klar zu zeigen, wofür ein Unternehmen als Arbeitgeber steht, welche Menschen es ansprechen möchte und was Mitarbeitende tatsächlich erwarten können.

Employer Branding schafft die strategische Grundlage der Arbeitgebermarke. Personalmarketing übersetzt diese Grundlage in konkrete Maßnahmen zur Ansprache potenzieller und bestehender Mitarbeitender. Vereinfacht gesagt: Employer Branding definiert, wofür ihr als Arbeitgeber steht. Personalmarketing macht es sichtbar.

Dazu gehören unter anderem Zielgruppen, Arbeitgeberpositionierung, Employer Value Proposition, relevante Belege, Botschaften und die Übersetzung auf zentrale Touchpoints der Employee Experience.

Eine klare Arbeitgeberpositionierung ist nicht von der Unternehmensgröße abhängig. Gerade Unternehmen, die im Recruiting nicht allein über Bekanntheit oder Gehalt konkurrieren können, können davon profitieren, ihre tatsächlichen Stärken und ihre Kultur verständlich zu machen.

Nicht mit einer Kampagne. Zuerst sollte analysiert werden, wie das Unternehmen aktuell als Arbeitgeber wahrgenommen wird, welche Zielgruppen relevant sind und was bestehende Mitarbeitende tatsächlich erleben. Daraus lässt sich anschließend eine glaubwürdige Arbeitgeberpositionierung entwickeln.



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